Ka.15.15b-15b hnam

Das Haben wird in verschiedenem Sinne gebraucht; teils bezeichnet es eine Eigenschaft oder einen Zustand, oder irgend eine andere Beschaffenheit; denn man sagt, dass Jemand eine Wissenschaft oder Tugend besitze; teils gebraucht man das Wort bei der Größe, 20 z. B. wenn Jemand eine bestimmte Größe hat; denn man sagt dann von ihm, dass er eine Größe von drei oder vier Ellen habe; teils gebraucht man das Wort bei der Bekleidung des Körpers z. B. bei einem Mantel oder Rock; teils bei dem, was man an einem Teile hat, z. B. bei dem Fingerringe an der Hand; teils bei dem, was man als Glieder hat, z. B. die Hand und den Fuss; teils bei dem was in 25 einem Gefässe ist; so hat z. B. der Scheffel den Weitzen oder der Krug den Wein; denn man sagt, dass der Krug den Wein habe (enthalte) und der Scheffel den Weitzen; man gebraucht von alle dem das Haben wie bei dem Gefässe. Auch wird das Haben in Bezug auf das Vermögen (ktema) gebraucht; denn man sagt, dass Jemand ein Haus (oikian) oder ein Ackerstück (agron) habe.

KaK.15.15b27

Das bereits am Ende des neunten Kapitels besprochene Haben im Bereich des Menschen ist einer der vier Triebe oder eines der vier Rechtsgüter (Essen, Denken, Herrschen, Haben), der bei den Philosophen in der Phrase stets als das letzte Rechtsgut erscheint, der sich aber von einer von Aristoteles später verworfenen Kategorie des Seins zur alles beherrschenden Kategorie des Menschseins hochgearbeitet hat und der im Begriff ist, die gesamte Menschheit zugrundezurichten, weil die Dummen und die Schlechten aus ihrer Dummheit und ihrer Schlechtigkeit keine Lehren ziehen wollen und zum dritten Mal in 100 Jahren »mit ruhig festem Tritt« zum Schlachtfest des Kapitals marschieren, das diesmal die Schlächter mitschlachten wird, wenn die Völker der Welt die Schlechten nicht ein für allemal in ihre Schranken verweisen, wie sie es teilweise mit den Dummen bereits gemacht haben.

Auch sagt man: eine Frau haben und dass die Frau einen Mann habe; diese Bedeutung von Haben ist die allerentfernteste, denn man 30 versteht unter »ein Frauenzimmer haben« nichts anderes, als ihr beiwohnen (syoikei).

Vielleicht lassen sich noch andere Bedeutungen von Haben aufzeigen; indess werden die hier genannten wohl die gebräuchlichsten sämtlich befassen.

Ende.