Ka.9.11b-11b hnam

11b Sowohl das Tun wie das Leiden ist des Gegenteiligen und des Mehr oder Minder fähig; denn das Erwärmen ist das Gegenteil von dem Erkälten und das Erwärmtwerden das Gegenteil von dem Erkältetwerden, und das Erfreutwerden ist das Gegenteil von dem Betrübtwerden; mithin nehmen diese Kategorien das Gegenteilige an. Ebenso 5 geschieht dies mit dem Mehr und Minder; denn das Erwärmen kann mehr oder weniger stark geschehen und ebenso das Erwärmt -werden. Sonach nimmt das Tun und das Leiden sowohl das Mehr wie das Weniger an.

KaK.9.11b7

Tun und Leiden sind nur Kategorien des Menschen und der Tiere oder der Symbiose zwischen Tieren und Pflanzen, wenn etwa die Biene die Blume bestäubt. Die unbelebte Natur ist demokratisch und gibt dem Bewegenden und dem Bewegten die gleichen Rechte.

So viel sei über diese Kategorien gesagt. Über die Kategorie des Zustandes habe ich schon bei der Kategorie der Beziehung gesagt, dass die Zustände durch Wort-Ableitung von 10 den verschiedenen Lagen benannt werden. Über die andern Kategorien, nämlich die des Orts und der Zeit und des Habens braucht, da sie an sich klar sind, nichts weiter gesagt zu werden, als was im Beginn bemerkt worden ist, nämlich, dass das Haben beispielsweise das Beschuhtsein oder das Bewaffnetsein bedeutet und der Ort z. B.: im Lykeion bedeutet und was sonst noch früher über diese Kategorien gesagt worden ist.

KaK.9.11b14

Das Haben im Bereich des Menschen ist einer der vier Triebe oder eines der vier Rechtsgüter (Denken, Essen, Haben, Herrschen).

Das Haben als ontologische Kategorie ist der kleine Bruder des Seins in der Mitte der Seinsgleichung, haftet aber dem A oder dem B an. Es entspricht dem Akzidens oder dem zufällig Anhaftenden. Von dem Akzidens gibt es keine Wissenschaft, sagt Aristoteles. Aber eher gehört das Haben in den Bereich der mathematischen Wissenschaften, denn es kann gut sein, dass durch die Aufzählung vieler oder aller einer ousia anhaftenden Zustände und »Qualitäten« eine genaue Bestimmung der ousia erfolgt, die mit den Mitteln des Teils und des Ganzen unmöglich wäre. Auch Aristoteles rückt an einigen Stellen in der Metaphysik das Akzidens in die Nähe der Mathematik.